Rundbrief 10 vom April 2026
Malawi-Mission mit Familie Soppa und EBM International
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Ostergrüße aus Malawi!
mit unseren Rundbriefen möchten wir euch regelmäßig einen Einblick geben in das, was wir hier eigentlich so machen, wie es sich als Familie in Malawi lebt und wie es uns damit geht. Gleichzeitig möchten wir euch auch das Land und die Menschen ein wenig näherbringen und versuchen, euch ein Fenster in eine andere Welt zu öffnen.
Der Jahreswechsel und Start des neuen Jahres war bei uns besonders von Vorbereitungen und Verabschiedungsprozessen rund um Emmas Schulbeginn auf der Boarding School (Internat) in Kenia geprägt.
Anfang Januar 2026 sind wir (Emma und Margrit) nach Kenia geflogen. Ich bin dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, die Schule und das Gelände mit Emma gemeinsam zu entdecken und einige Einführungsveranstaltungen besuchen zu können.
Inzwischen hat sie sich soweit eingelebt. Wir haben das Gefühl, dass es ihr gut geht und der Wechsel für sie zum richtigen Zeitpunkt kam.

Eingang zu Emmas Schule in Kijabe, Kenia.
Es ist Regenzeit und in diesem Jahr erleben wir zum ersten Mal eine, die ihren Namen auch verdient. Viele Straßen sind infolge dessen in miserablem Zustand mit tiefen Schlaglöchern und oft abgebröckelten Rändern und es ist ratsam, die Straße eher mittig zu befahren.
Besonders der Arbeitsweg für Micha, den er meistens mit dem Fahrrad fährt, ist innerhalb von Wochen zu einer abenteuerlichen Schlammpiste geworden.
Ansonsten ist der Regen aber überall sehr willkommen und nötig. Natürlich wie immer wichtig für eine ertragreiche Maisernte, aber auch für andere Lebensmittel, wie z.B. Süßkartoffeln, die gerade im Wachstumsprozess sind.
Der Anfang jedes Jahres ist für viele Malawier verbunden mit einer schwierigen Phase: die Erträge der letzten Ernte sind jetzt oft schon aufgebraucht, die Ernte steht aber noch aus. Umso mehr, da die letzten Ernten unterdurchschnittlich ausfielen.
Eine kleine Begebenheit dazu von einem der letzten Wochenenden, als Micha mit Ruben für eine Nacht zum Campen am See war: Wie es häufig vorkommt, kam ein Verkäufer und bot Armbänder und andere gefertigte Sachen zum Verkauf an. Nicht immer können und wollen wir jedem etwas abkaufen aber in dem Fall entschloss sich Micha zum Kauf von zwei Armbändern. Am nächsten Morgen kam der Mann wieder vorbei und sagte zu Ruben, er solle sich noch etwas aussuchen, dies sei diesmal ein Geschenk. Micha, etwas skeptisch, versuchte klarzustellen, dass wir gestern etwas gekauft hätten, er heute aber kein Geld erwarten dürfe. Der Mann beteuerte, es sei ein Geschenk. Daraufhin fragte Ruben ihn, warum er ihm denn etwas schenken wolle. Und der Mann erklärte: „weil dein Papa mir gestern etwas abgekauft hat und ich meinem Sohn etwas zum Abendessen kaufen konnte.“
Diese Begegnung hat uns demütig gemacht und uns gezeigt, dass für uns vielleicht klein anmutende Dinge für einzelne Menschen einen großen Unterschied machen können und sei es nur für einen Abend. Auch wenn wir grundsätzlich davon überzeugt sind, dass für ein Land wie Malawi langfristige nachhaltige Investitionen, z.b. in Bildung und Ausbildung von Fachkräften, enorm wichtig sind, fühlen wir uns auch aufgerufen, im Alltäglichen unsere Mitmenschen im Blick zu behalten.

Letztes Jahr wurden Ausbesserungen an unserer Straße vorgenommen. Inzwischen hat der Regen aber leider den vorherigen Status Quo wieder hergestellt.
Neues vom Baptist College
Bei mir (Micha) hat am Baptist College ein neues Semester begonnen. Nachdem sich in den letzten beiden Jahren fast schon so etwas wie Routine eingestellt hatte, weil ich bereits vorbereitete Vorlesungen halten konnte, die ich nur noch überarbeiten musste, war ich in diesem Jahr mit der Vorbereitung wieder neu herausgefordert. Ich bin gebeten worden, einen (für mich) neuen Kurs zu unterrichten, nämlich über das Buch der Offenbarung. Wenn ich ehrlich bin, haben Kenntnisse über dieses Buch bisher nicht zu meinen Kernkompetenzen gehört, aber ich habe mich daher umso mehr darüber gefreut, das jetzt ändern zu können.
Zusätzlich herausfordernd wurde die Vorbereitung aber dann, als ich zusätzlich gebeten wurde, den Kurs nicht nur zu unterrichten, sondern auch den entsprechenden Lehrplan zu überarbeiten. Das ist nötig geworden, weil wir als Baptist College im Rahmen der Akkreditierung als Universität durch die Hochschulbehörde Vorgaben umsetzen müssen, die sich aus ihrer Visitation ergeben haben. Dazu gehört auch, dass wir die verwendete Literatur anpassen müssen, damit unser Unterrichtsstoff den aktuellen Stand der Forschung besser darstellt. Während mir dieses Anliegen grundsätzlich sehr entgegenkommt, weil ich manchmal tatsächlich mit der vorgeschlagenen Literatur nicht so viel anfangen kann, war es doch sehr ambitioniert, mir innerhalb von drei Wochen einen Überblick über aktuelle (englischsprachige) Veröffentlichungen zu verschaffen, um beurteilen zu können, mit welcher Literatur ich arbeiten möchte und dann noch einen aktualisierten Unterrichtsplan zu erstellen, der vor Semesterbeginn fertig ausgearbeitet sein sollte. Ich bin froh, dass ich diese Herausforderung irgendwie gemeistert habe und habe sehr viel Freude daran, dieses Fach zu unterrichten. Wenn ich etwas verbessern dürfte, würde ich auf jeden Fall anregen, dass wir als Dozenten nicht erst vier Wochen vor Vorlesungsbeginn erfahren, welche Fächer wir unterrichten werden. Das scheint mir aber ein sehr deutscher Wunsch zu sein.
Ein anderer deutscher Wunsch, den ich seit meinen Anfängen hier am College gehegt hatte, ist inzwischen in Erfüllung gegangen. Nämlich der nach monatlichen Mitarbeitertreffen. Bisher haben diese eher unregelmäßig etwa zwei Mal im Jahr stattgefunden und ich habe mich chronisch unterinformiert gefühlt was das Campusleben und allgemeine Entwicklungen betrifft. Auch diese Entwicklung haben wir übrigens dem laufenden Akkreditierungsprozess zu verdanken, der einige zu begrüßende Veränderungen mit sich bringt. So nutzen wir jetzt auch ein einheitliches Onlinetool zur Kursorganisation für die Studierenden. Zur Wahrheit gehört aber leider auch, dass ich befürchte, dass das Semester vorbei sein wird, bis wir dieses System effektiv nutzen können. Besonders die Einbindung der Studierenden in unserem Fernstudienprogramm ODL (Open Distance Learning), für die ein solches System besonders sinnvoll ist, ist noch eine Herausforderung. Gut ist aber, dass ich über diese Plattform nun alle Kursnotizen und Literatur bereitstellen und auch den aktuellen Lernfortschritt der Studierenden überprüfen kann. Neu ist auch, dass ich jetzt alle meine Vorlesungen filme und die Videos bei YouTube hochlade, so dass sich auch die ODL-Studierenden alle Vorlesungen anschauen können.
Eine weitere Änderung, von der ich noch erzählen möchte, ist ein neuer, alter Dozent am College. Owen Mkandawire war vor einigen Jahren schon hier tätig und hatte vor vielen Jahren im Rahmen der Partnerschaft des deutschen und malawischen Baptistenbundes für ein Semester an der Theologischen Hochschule Elstal unterrichtet, als ich als Student dort war. Zwar habe ich damals keinen Kurs bei ihm belegt, aber es ist dennoch schön, auf diese Art hier einen alten Bekannten wieder zu treffen.

Am Baptist College feiern wir täglich Gottesdienst. Hier predigt Michas australischer Kollege, Gary Moore.
Zeitfressende kleine Alltagssituationen
Seit Dezember letzten Jahres sind wir mal wieder mit der Verlängerung unseres Aufenthaltsstatus hier in Malawi beschäftigt. Dies ist ein recht langwieriger bürokratischer Prozess, der noch immer andauert. Dazu mussten erst diverse Papiere eingereicht werden und seitdem heißt es warten. Und immer wieder, am besten wöchentlich, auf der Immigrationsbehörde vorbeizuschauen, damit der Antrag auch tatsächlich weiterbearbeitet wird. Zumindest bilden wir uns ein, damit irgendwie etwas zur Beschleunigung beitragen zu können. Wir hoffen, dass sich bald alles klärt und wir wieder einen Aufenthaltsstatus für die nächsten zwei Jahre haben.
Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie scheinbar kleine Dinge hier viel Zeit im Alltag und Wochenverlauf in Anspruch nehmen.

Auswirkungen des Irankriegs oder die „normale“ jährliche Treibstoffknappheit? An den Tankstellen bilden sich wieder lange Schlangen.
Anders als gedacht
Immer mal wieder werde ich (Margrit) in unterschiedlichsten Kontexten auf meine Arbeit hier im Krankenhaus angesprochen. Das ist nicht verwunderlich, da ich nie viele Worte darüber verloren habe. Um dies aber mal ein Stück weit aufzuklären, hier ein kurzes Update dazu. Im Vorfeld unserer Ausreise nach Malawi gab es eine etwas vage Planung, dass es für mich die Möglichkeit gäbe, in der Senga Bay Clinic zu arbeiten. Diese gehört, wie das Baptist College, mit zur BACOMA (Baptist Convention of Malawi) und liegt in einem Dorf am Malawisee, etwa zwei Stunden entfernt von Lilongwe. Dies war mit unserem Alltag hier in Lilongwe nicht wirklich vereinbar. Dennoch stand längere Zeit mein Wunsch im Raum, dann alternativ hier in Lilongwe im medizinischen Bereich tätig zu werden. Dazu bedarf es selbstverständlich einer Anerkennung und Arbeitserlaubnis. Dies geschieht hier durch den „Nurse Council“ (sozusagen die „Krankenschwesternkammer“) und ist mit einigen bürokratischen Hürden verbunden. Für in Deutschland gelernte Krankenschwestern ist es im Ausland oft schwierig, ihre Ausbildung anerkennen zu lassen. Das hat unterschiedliche Gründe, wie z.B. dass die Ausbildung in Deutschland kein Studiengang ist oder wir keinen zusammenschließenden Berufsverband haben, wie beispielsweise Ärzte durch die deutsche Ärztekammer. Kurz gefasst: Es kam für mich hier nie zur Anerkennung meiner Ausbildung.
Neben all dem Guten, das uns hier widerfährt und allen Erfahrungen, die wir machen, war dies etwas, was uns immer wieder viel beschäftigt hat und wir so nicht geplant hatten.
So habe ich in der Vergangenheit immer versucht, mich anderweitig einzubringen oder in Projekte reinzuschauen, die mich selber interessiert haben bzw. mir am Herzen liegen.
Jetzt freuen wir uns auf ein Wiedersehen mit Emma und einen ganzen Monat, den wir als komplette Familie verbringen dürfen.
Wir freuen uns auf das baldige Osterfest, die Feier dass Jesus auferstanden ist – wir feiern, dass wir Ihn in unserem Leben wissen, wir feiern die HOFFNUNG! Wir wünschen Euch, dass ihr diese lebendige Hoffnung auch in eurem Leben erfahrt. In diesem Sinne: frohe Ostern!
Vielen lieben Dank für euer Lesen, euer Interesse an uns und an unseren Mitmenschen hier in Malawi!
Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er den einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.
(Die Bibel, Evangelium nach Johannes 3,16.)
Gebetsanliegen
Wir freuen uns über viele ermutigende Nachrichten von Menschen und Gemeinden, die für uns beten. Folgende Anliegen bewegen uns derzeit:
Wir sind dankbar…
… dass Emma sich gut in Kenia eingelebt hat;
… für den guten Verlauf des Schuljahres von Emma, Ruben, Matthis und Annemie;
… dass Micha die Herausforderungen dieses Semesters gut bewältigt bekommt;
… dass sich am Baptist College einige gute Veränderungen eingestellt haben.
Wir bitten darum, dass…
… es in diesem Jahr eine gute Ernte gibt;
… sich die angestoßenen Prozesse am Baptist College langfristig etablieren;
… die Studierenden durch Michas Vorlesungen bereichert werden;
… die aktuellen globalen Krisen (z.B. Irankrieg) die Lebensumstände der Menschen hier nicht noch mehr verschlechtern.

Schreibe der Familie Soppa einen Gruß per Mail:
Micha Soppa: micha.soppa@mailbox.org
Margit Soppa: margrit.soppa@gmx.de
Familie Soppa: msoppa@ebm-international.org