Urlaubsregeln.

Denk nicht, die Erholung beginnt mit dem 1. Urlaubstag.

Deine Seele ist langsam. Sie läuft noch im Trab, während Du schon irgendwo sitzt und versuchst zu genießen. Wundere dich nicht. Das ist normal und vergeht.

Verschone am Anfang Deine Liebsten mit Plänen.

Jeder von Euch hat einen anderen Rhythmus. Den gemeinsamen müsst Ihr erst finden. Das dauert etwa eine Woche.

Wenn Du Zeit hast, melden sich zunächst Sachen, denen Du vorher keinen Raum gegeben hast. Wut, Herz-Pochen, Schlaf. Lass es geschehen, so beginnt die Seligkeit.

Jeder Tag hat ein Ende. Wenn Ihr zusammen sitzt, oder wenn Du allein sitzt, dann lass die Szenen des Tages vor Deinem Auge spazieren gehen. In diesen Wochen hast Du Zeit dafür. Verabschiede Dich von dem, was blöd war und danke für das, was gelungen ist – und sei es nur ein Drei-Sekunden-Vanille-Eis-Geschmack. So übst Du Dich zu freuen an dem, was ist.

Wenn Du Zeit hast die Erdkrümmung zu sehen, zum Beispiel am Meer, dann kannst Du unter uns die riesige Kugel spüren, die uns alle zusammen hält. Das ist ein Wunder. Es gibt noch eine Menge andere Kugeln im Weltall, die nichts anderes zusammen halten als Staub und dämliche Steine. Du und Milliarden Andere stehen lebend auf diesem Planeten.

Wenn Du eine Stelle entdeckt hast, an der Du einfach so sitzen magst und in die Luft gucken, geh da wieder hin. In die Luft gucken ist oft die Vorbereitung für große Taten.

Während Du da sitzt und Dein Eis schleckst, sterben viele Leute und viele andere werden geboren. Im selben Moment. Und du atmest derweil. Auch ein Wunder.

Wenn Du in eine Kirche gehst, dann denk an diesen kleinen Dialog: Ein alter Mann saß stundenlang still in der Kirche. Eines Tages fragte ihn ein Priester, was er da so höre. „Gott spricht nicht, er hört nur zu“, war die Antwort. „Und was redest du mit ihm?“ „Ich spreche auch nicht. Ich höre nur zu.“

Sprich Kindergebete, unverbindlich, zur Probe, um zu merken wie sie sich in Deinem Mund aufführen – zum Beispiel: Manchmal geht mir durch den Sinn, dass ich lebe, dass ich bin.
Lieber Gott, das kommt von Dir, heute sag ich Dank dafür.

Oder:

Wo ich gehe, wo ich stehe, bist Du, lieber Gott, bei mir.
Wenn ich Dich auch niemals sehe, weiß ich immer: Du bist hier.

Thomas Hirsch-Hüffell, www.gottesdienstinstitut-nordkirche.de
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