Jubiläum in unserer Tochtergemeinde

Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Lingen (Baptisten) feiert in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum: 70 Jahre Christuskirche. Aus diesem Anlass findet am Sonntag, den 08.11. um 10.00 Uhr, ein festlicher Dankgottesdienst an ihrem Standort am Brockhauser Weg 45 statt. Die Geschichte der Lingener Gemeinde – die selbst noch etwas älter ist als ihr Kirchengebäude – ist von Beginn an eng mit uns als Nordhorner Muttergemeinde verbunden.

Ein Rückblick auf die vergangenen sieben Jahrzehnte am jetzigen Standort – beginnend mit der bemerkenswert kurzen Bauzeit der Kirche von nur sieben Monaten im Jahr 1956 – ist vor allem ein Anlass zu großer Dankbarkeit. Es ist die Dankbarkeit für viel Gelungenes, für segensreiche Zeiten des Wachstums und für das unermüdliche ehrenamtliche Engagement der vielen Geschwister, die Lingen über all die Jahre zu einer lebendigen „Mitmachgemeinde“ gemacht haben.

Gleichzeitig gehört zu einem ehrlichen Rückblick auch das Bewusstsein, dass der gemeinsame Weg durch die Jahrzehnte natürliche Herausforderungen mit sich bringt. Unterschiedliche Prägungen und Umbrüche haben das Gemeindeleben immer wieder auf die Probe gestellt. Doch gerade in diesen anspruchsvollen Wegstrecken wurde deutlich, worauf die Gemeinde im Kern gebaut ist: Das Jubiläum ist somit nicht nur ein Feiern der sonnigen Zeiten, sondern vor allem ein tiefes, dankbares Zeugnis für das verlässliche Durchtragen Gottes. Er hat die Gemeinde durch alle Höhen und Tiefen bewahrt, geleitet und zusammengehalten.

Wir freuen uns sehr über dieses starke Zeugnis der Treue Gottes im Emsland. Wir blicken voller Dankbarkeit auf die gemeinsame Geschichte zurück und verbinden dies mit unseren herzlichsten Segenswünschen für den weiteren Weg der Lingener Gemeinde.


70 Jahre Christuskirche Lingen

Ein Rückblick auf die Geschichte unserer Zweiggemeinde

Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Lingen feiert das 70-jährige Jubiläum ihrer Christuskirche. Für uns als Muttergemeinde in Nordhorn ist dies ein wunderbarer Anlass, die historischen Dokumente aufzuschlagen und die bewegte, detailreiche Geschichte unserer Lingener Geschwister in voller Länge nachzuzeichnen – von den ersten Hauskreisen bis zur etablierten Gemeinde am Brockhauser Weg.

Die frühen Anfänge: Von Hausversammlungen zur „Station“ (1919–1946)

Die Geschichte der Lingener Gemeinde begann lange vor dem Bau der eigentlichen Kirche. Bereits im Jahr 1919 sind erste Zusammenkünfte freikirchlicher Geschwister im Hause des Bruders Johannes Walter dokumentiert. In den 1930er Jahren fanden regelmäßige Bibelstunden mit etwa 15 Personen in einem Blaukreuzheim sowie in den Häusern Reller und Sauerbrey statt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg strömten zahlreiche Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten nach Lingen, darunter auch viele Mitglieder ostdeutscher Baptistengemeinden. Dadurch wuchs die Zahl der Gemeindemitglieder in Lingen auf 25 Personen an. Es entwickelte sich ein stabiles Gemeindeleben, wobei die Gottesdienste in den Räumen der evangelisch-lutherischen Kirche gefeiert wurden.

Im Oktober 1946 übernahm unsere Nordhorner Gemeinde – die selbst auf eine Tradition seit 1908 zurückblickt – die Betreuung der Geschwister in Lingen. Lingen wurde offiziell zu unserer „Station“ und ist bis heute eine Zweiggemeinde der EFG Nordhorn geblieben. Die Gemeinde selbst existiert im Grunde also schon deutlich länger als ihr Gebäude.

Der dornenvolle Weg zum eigenen Gebäude (1954–1956)

Unsere Lingener Geschwister sehnten sich schon lange nach einer eigenen Versammlungsstätte. Wir als Nordhorner Gemeinde fassten schließlich den Beschluss zum Bau, doch der Weg dorthin war hindernisreich. Erst 1954 konnte ein geeigneter Bauplatz am Brockhauser Weg / Ecke Wulwer Esch erworben werden.
Im März 1956 konnte nach der Überwindung zahlreicher Hürden der Grundstein gelegt werden. Die Finanzierung dieses ambitionierten Projekts war ein gewaltiger Kraftakt der Solidarität: Sie gelang durch großartige Eigenleistungen von Geschwistern aus Lingen, Nordhorn und der Umgebung, sowie durch finanzielle Mittel des Bundes, unserer Nordhorner Muttergemeinde und von Geschwistern aus Amerika.

Einweihung der Christuskirche am 21. Oktober 1956

Nach einer bemerkenswert kurzen Bauzeit von nur sieben Monaten wurde die Christuskirche am 21. Oktober 1956 feierlich eingeweiht. Die Stadt Lingen hatte zu dieser Zeit rund 22.000 Einwohner, und die Gemeinde war bereits auf über 90 Mitglieder angewachsen.

Der Einweihungstag war ein großes Fest: Um 9.00 Uhr fand die Schlüsselübergabe statt, gefolgt von einem Weihgottesdienst um 9.30 Uhr mit zahlreichen geladenen Gästen, darunter Abgeordnete benachbarter Gemeinden sowie Vertreter von Kreis und Stadt. Am Nachmittag um 14.30 Uhr versammelte sich die Gemeinde abermals zu einem Festgottesdienst, zu dem Geschwister aus den Nachbargemeinden zahlreich mit Bussen und PKW anreisten.
Entworfen wurde die Kapelle von dem Architekten Siegfried Brauer aus Heutingsheim. Der Gottesdienstraum bot damals Platz für etwa 170 Personen und konnte durch das Öffnen einer Falttür auf 200 Plätze erweitert werden. Darüber hinaus verfügte das Gebäude über zwei Jugendräume.

Pastorale Epochen und Gemeindeleben

Im Laufe der Jahrzehnte wurde die Lingener Gemeinde von verschiedenen Pastoren geprägt, wobei es zwischenzeitlich auch immer wieder pastorlose Jahre gab, in denen die Geschwister die Arbeit eigenständig trugen:

  • Mai 1953 – 1958: Otto Simon trat als erster Pastor seinen Dienst an.
  • September 1967 – Mai 1973: Eberhard Kulosa übernahm den pastoralen Dienst.
  • Oktober 1978 – Oktober 1982: Nach einer langen pastorlosen Zeit von fünf Jahren startete Pastor Michael Michelfelder.
  • August 1983 – Dezember 1988: Hans Ufer wirkte als fünfter Pastor in der Geschichte der Gemeinde.
  • September 1960 – April 1967: Nach zwei Jahren Vakanz folgte Pastor Hermann Tromsdorf.
  • Januar 1990 – 1999: Nach kurzer Vakanz folgte Arno Schmidt.
  • Ab August 2002: Pastor Werner Hartmann trat seinen Dienst an.

Bauliche Entwicklungen: Vom Jugendhaus zur Großrenovierung

Eine lebendige Gemeinde braucht Raum zur Entfaltung, und so wurde die Anlage am Brockhauser Weg stetig erweitert. Bereits im Juli 1966 wurde das angrenzende Grundstück samt Wohnhaus erworben, welches später als Pastorenhaus und heute als Kinder- und Jugendhaus genutzt wird.

Im Jahr 1981 folgte eine aufwändige Erweiterung. Der Eingangsbereich wurde verlegt und neu gestaltet, es wurden ein Gemeinschaftsraum, neue Toiletten und eine Küche angebaut. Anschließend fand eine Kapellenrenovierung statt, bei der unter anderem eine Fußbodenheizung verlegt wurde. Die Schlüsselübergabe für diesen Anbau erfolgte am 1. November 1981 durch den Architekten Bölt an den Gemeindeleiter Hillebrands.

Eine weitere Phase der Großrenovierung begann im Jahr 2000:

  • Der Gottesdienstraum wurde um den alten, ungenutzten Eingangsbereich erweitert.
  • Eine lebendige Gemeinde braucht Raum zur Entfaltung, und so wurde die Anlage am Brockhauser Weg stetig erweitert. Bereits im Juli 1966 wurde das angrenzende Grundstück samt Wohnhaus erworben, welches später als Pastorenhaus und heute als Kinder- und Jugendhaus genutzt wird.
  • Es gab neue Anstriche und eine Umgestaltung des Kanzelbereiches.
  • Das Taufbecken erhielt eine abnehmbare Abdeckung, um einen flexiblen Bühnenbereich zu schaffen.
  • Ein neuer Schaukasten wurde eingebaut und die Küchenerweiterung sowie -neueinrichtung begonnen.
  • Die Tonanlage im Gottesdienstraum wurde zudem mit Funkkopfhörern für Schwerhörige ausgestattet.

Schließlich wurde im Jahr 2006 das ehemalige Pastorenhaus aufwändig für die neu begonnene „Kinderland“-Arbeit umgestaltet und eingerichtet.

Ein Blick nach vorn

Wie die historischen Dokumente treffend festhalten: Instandsetzungsarbeiten an den Gebäuden und Außenanlagen stehen immer wieder an – es gibt niemals Stillstand beim Gemeindebau! Wir als Muttergemeinde in Nordhorn gratulieren sehr herzlich zu 70 Jahren Christuskirche und blicken voller Respekt auf das unermüdliche Engagement, mit dem die Geschwister in Lingen ihre Gemeinde über all die Jahrzehnte hinweg aufgebaut und getragen haben.

nach einem Bericht von Bernd Weidtke und Dokumenten von Horst Ostermann