Baptistenkirche Nordhorn distanziert sich vom Entwurf des „Regierungsprogramms“ der AfD Sachsen-Anhalt

Mit Befremden reagiert die Baptistenkirche Nordhorn (Kleine Gartenstraße 11–13) auf Inhalte aus dem aktuellen Entwurf des „Regierungsprogramms“ der AfD Sachsen-Anhalt. In diesem Dokument wird die Absicht formuliert, die etablierten Kirchen finanziell zu schwächen und stattdessen gezielt Freikirchen, orthodoxe Gemeinden und explizit Baptistengemeinden zu fördern. Als Begründung wird angeführt, diese stünden für einen „authentischeren Glauben“. Die Baptistenkirche Nordhorn weist diese gezielte politische Instrumentalisierung und die damit verbundene Bewertung christlichen Glaubens entschieden zurück.

Freikirchliche Unabhängigkeit: Trennung von Staat und Kirche

Die Gemeinde betont ihr klares Bekenntnis zur Trennung von Staat und Kirche. Als Teil des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) finanzieren sich die Baptisten in Nordhorn seit jeher über freiwillige Beiträge ihrer Mitglieder und erheben keine Kirchensteuer.

Religionsfreiheit bedeutet für die Gemeinde auch die Freiheit von politischer Einflussnahme. Sie lässt sich von keiner politischen Richtung vereinnahmen. Staatliche Mittel kämen nur dann in Betracht, wenn sie rechtlich transparent, weltanschaulich neutral und ohne ideologische Bedingungen vergeben würden – etwa für klar definierte soziale Aufgaben. Eine Förderung, die explizit an die Identität als Baptistengemeinde oder an ein spezifisches politisches Weltbild geknüpft ist, widerspricht dem freikirchlichen Selbstverständnis grundlegend.

Für ein Menschenbild der Würde und Nächstenliebe

Die Baptistenkirche Nordhorn sieht sich der unantastbaren Würde jedes Menschen verpflichtet. Die im Entwurf des Regierungsprogramms der AfD angestrebte „kulturpolitische Wende“ bewertet die Gemeinde als gesellschaftsspaltend und mit zentralen christlichen Werten unvereinbar.

Der christliche Glaube ruft zur Nächstenliebe und zum Dienst an allen Menschen auf, unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem Lebensentwurf. Eine Politik, die auf Ausgrenzung setzt, steht im Widerspruch zum Kern des Evangeliums.

Gelebte Ökumene in Nordhorn als klares Zeichen

Die Baptistenkirche Nordhorn verwahrt sich dagegen, dass ihr Name als Rechtfertigung für eine Politik herangezogen wird, die andere christliche Kirchen diffamiert. In Nordhorn pflegt die Gemeinde eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den reformierten, lutherischen, katholischen und altreformierten Gemeinden. Zusammen mit der Herrnhuter Brüdergemeine aus Neugnadenfeld bilden sie den Kreis der Trägerkirchen des Klosters Frenswegen.

Der Glaube der Gemeinde gründet auf der Botschaft des Evangeliums, die sie mit der weltweiten Christenheit teilt. Es steht keiner politischen Partei zu, die Echtheit dieses Glaubens zu bewerten oder Baptistengemeinden gegen andere Konfessionen auszuspielen. Die Gemeinde schätzt das vielfältige christliche Zeugnis in der Region. Sie wird sich auch künftig für ein respektvolles Miteinander in Nordhorn einsetzen und jeder Form der Vereinnahmung ihrer religiösen Identität entgegentreten.

Die Gemeindeleitung
Jutta Berens, Gabi Brockmann, Sascha Flitz, Burkhard Heils, Jessika Heils, Gisela Klaaßen, Hermann Klaaßen, Dr. Sigrid Leferink, Carsten Mahn, Tobias Somberg-Bartels, Hanno Sommerkamp, Cathrin Tulk

Die Baptistenkirche Nordhorn ist eine eigenständige Gemeinde im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (BEFG). Sie ist Teil der ökumenischen Trägerschaft des Klosters Frenswegen, einem bundesweit beachteten Modell der Zusammenarbeit von sechs verschiedenen christlichen Konfessionen.